Freunde des smac e.V.

LIEBE, LEID UND LUFTSCHLÖSSER IN PRAG

Um zu sehen, wie es der smac-Sonderausstellung "Sachsen-Böhmen 7000- Liebe, Leid und Luftschlösser" an ihrer 2. Station ergeht, machte sich am 22.06.2019 eine Gruppe von abenteuerlustigen und historisch interessierten Freunden des smac auf den Weg nach Prag.

(Text: Regina Quaas und Selin Hermann)

Um 8.30 Uhr in der Früh ging es am Johannisplatz- Parkplatz vor dem smac los. In Dresden stiegen noch drei weitere Freunde zu. Motiviert ging die Fahrt weiter und Lenka Nemravová – Co-Kuratorin der Sonderausstellung „Sachsen-Böhmen 7000“ und ihres Zeichens Historikerin – gab uns während der Fahrt eine kleine Einleitung zur Geschichte Prags. Los ging die Erkundung mit der Ausstellung "Sachsen/Böhmen" (Cesky/Sachsen), die vom smac in das Sternberg Palais gewandert ist. Dazu musste die Gruppe zweigeteilt werden, denn die Ausstellungsräume sind fein, aber zu klein für unsere große Gruppe. Der Kurator der Ausstellung, Dr. Marius Winzeler schlug sich tapfer, um den großen Andrang zu bewältigen. Während die erste Gruppe bereits ihr Wiedersehen mit Ludmilla feiern konnte, hatte die 2. Gruppe wahlweise die Möglichkeit, die Kunstsammlung der Alten Meister auf eigene Faust zu erkunden oder im Skulpturengarten des Sternberg-Palais zu flanieren.

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Nach diesem interessanten Einstieg ging es dann zum sehnsüchtig erwarteten Mittagessen. Anschließend durfte jeder auf eigene Faust die Prager Burg erkunden, speziell das Goldene Gässchen und die St. Veits Kathedrale. Leider war ausgerechnet an diesem Wochenende der Alte Königspalast mit der Ausstellung „Geschichte der Prager Burg“ geschlossen. Nach dem check-in im berühmten Hotel International, das berühmt ist für seine Architektur im Zuckerbäckerstil, konnte jeder allein oder mit Freunden gemütlich den Abend ausklingen lassen und sich auf den ebenso spannenden folgenden Tag vorbereiten.

Nach einer geruhsamen Nacht in den komfortablen Hotelzimmern konnten wir alle am Morgen ganz entspannt das reichhaltige Frühstücksbüfett im Symphonia Restaurant genießen und noch eine kleine Entspannungsminute im wunderschönen Garten des Hotels „International Prague“ genießen.Um 10 Uhr hieß es dann: „Check out und Einsteigen“ in unseren Reisebus. Auf dem Tagesplan stand „Altstadtführung“. Unser Busfahrer Rico brachte uns bis zur Chechuv-Brücke: Hier teilte sich unsere Reisegesellschaft in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe von 30 Personen wurde durch eine Prager Stadtführerin in die historische und aktuelle Geschichte der Stadt Prag eingeweiht. Jeder Teilnehmer bekam ein Headset, damit er die Erklärungen der Stadtführerin gut verstehen konnte.

Die zweite kleinere Gruppe wurde durch Lenka Nemravova durch die Altstadt geführt. Lenka zeigte uns zuerst die historische Josefstadt und erzählte uns spannende Geschichten über das frühere Leben im jüdischen Viertel und zeigte uns auch einige historische Fotos. Wir konnten dadurch die Geschichte des Viertels sehr gut nachvollziehen.

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Die Josefstadt ist eine historische Stadt und seit 1850 Stadtteil der tschechischen Hauptstadt Prag. Vom 13. Jahrhundert bis 1848 befand sich hier die Judenstadt, das jüdische Viertel von Prag. Mit der Verleihung der Bürgerrechte an die Juden im Jahr 1848 durch Kaiser Joseph II. zogen vor allem die wohlhabenden jüdischen Familien häufig in andere Stadtteile von Prag und die Gebäude verfielen. Der größte Teil des Viertels wurde zwischen 1893 und 1913 abgerissen. Um die Wende zum 20. Jahrhundert entstanden viele Wohnhäuser völlig neu. Die Bebauung und die Anlage der Straßen orientierten sich dabei an Vorbildern aus Paris. Es entstanden prachtvolle Jugendstilgebäude.

Sechs Synagogen, der alte jüdische Friedhof, die Zeremonienhalle und das alte jüdische Rathaus blieben erhalten. Heute sind die religiösen Gebäude und Friedhofsanlagen Teile des Jüdischen Museums. Unser Weg führte uns an der Alten Jüdischen Synagoge, dem Jüdischen Museum und dem Alten Jüdischen Friedhof vorbei. Den Friedhof konnten wir durch ein kleines Fenster an der Pforte kurz in Augenschein nehmen.

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Während des Stadtrundgangs durch die Josefstadt kamen wir auch an Gebäuden der Universität vorbei. Lenka wies uns auf eine hier angebrachte Gedenktafel für Jan Palach hin. Jan Palach war ein tschechoslowakischer Student, der sich am 19.01.1969 aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings selbst verbrannte. Er wurde zu einem Märtyrer für eine freie Tschechoslowakei und zu einer starken Symbolfigur.

Unsere Stadterkundung erreichte dann den Altstädter Ring und Lenka zeigte uns die prachtvolle Teynkirche, die durch einen kleinen Gang zwischen alten Patrizierhäusern zu erreichen ist. In der Kirche sahen wir auch das Grab von Tycho Brahe, dem herausragenden Astronomen des 16. Jahrhunderts, an. Brahe und seine Ehefrau Kristin sind in diesem Grab beigesetzt. Lenka führte uns dann weiter durch die historischen Gassen der Altstadt vorbei an barocken Kirchen bis zum Platz der Republik, an dem wir im Palladium ganz individuell eine kurze Erfrischungspause genießen konnten. Das Palladium war früher eine Kaserne und jetzt ist es eines der bekanntesten Einkaufszentren in Prag. Hinter einer historischen Fassade erwartet den Kunden eine sehr moderne Einkaufsmeile, in der die Orientierung leider etwas schwierig ist.

Das nächste Ziel war ein bekanntes Restaurant in der Josefstadt, das „Pivnice U Rudolfina“. So liefen wir vom Platz der Republik durch sehenswerte Straßen und Gassen bis zur Altstadt. Das Restaurant liegt unweit der Konzert- und Kunsthalle „Rudolfinum“ und der Karlsbrücke. Hier nahmen wir als gesamte Reisegruppe zum Abschied von Prag ein typisches tschechisches Mittagsmahl ein. Für Liebhaber des Pilsener Bieres ist diese Gaststätte ebenfalls eine gute Adresse.

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Nach dem Mittagessen gab es dann noch einen kurzen Spaziergang bis zum Busparkplatz an der Chechuv-Brücke, den jeder individuell gestalten konnte. Kurz nach 15 Uhr starteten wir dann wieder in Richtung Chemnitz mir kurzem Halt in Dresden. Hier stiegen die ersten Teilnehmer unserer Gruppenfahrt aus. Wir kamen dann am frühen Abend mit vielen schönen Reiseeindrücken wieder in der Heimat an.

Ein herzliches Dankeschön an die Organisatorinnen dieser interessanten Exkursion, Tina Michel und Lenka Nemravova, im Namen aller beteiligten Freunde des smac e. V.

Eine Gruppe kann man auch von hinten führen