von Sabine Lorenz

Am 01.07.2015 hatten die Freunde des smac die Möglichkeit, noch vor der offiziellen Eröffnung der neuen und ersten Sonderausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz einen Blick in die Ausstellung zu werfen. Highlight dieser Preview war, dass uns Hofrat Dr. Anton Kern, Direktor der Prähistorischen Abteilung am Naturhistorischen Museum Wien und selbst Ausgräber in Hallstatt durch die Ausstellung führte.

PreviewSALZ_6832_(c) smac_Foto Ralf Hempel

Der Kurator Dr. Anton Kern, Direktor der Prähistorischen Abteilung am NHM Wien führt die Freunde des smac exklusiv durch die Sonderausstellung SALZ BERG WERK (© Freunde smac | Ralf Hempel)

Hallstatt ist einer der bedeutendsten archäologischen Orte Europas. Er steht für eine ganze Epoche, die ältere eisenzeitliche Kultur. Und jetzt ist diese Hallstattkultur in Chemnitz präsent!

Halus (griech.) = Salz, Hallstatt ist der „Ort des Salzes“.

Wie wertvoll Salz ist und war, erkennt man gleich am ersten Exponat, einem goldenen Salzgefäß, der Saliera von Benvenuto Cellini. Wertvoll deshalb, weil früher ohne Salz keine Lebensmittel haltbar gemacht werden konnten. Es wird berichtet, dass Salz sogar mit Gold aufgewogen wurde. Durch den Handel mit dem „weißen Gold“ wurden die Bewohner von Hallstatt vor 2500 Jahren wohlhabend und konnten wertvolle Gegenstände aus anderen Regionen erwerben. Diese wertvollen Dinge aus Elfenbein, Glas, Bernstein, Gold und Silber hat man im Gräberfeld von Hallstatt gefunden.

PreviewSALZ_6772_(c) smac_Foto Ralf HempelSalz kommt auf der Erde in verschiedenen Formen vor (© Freunde smac | Ralf Hempel)

Vor 270 Mio. Jahren hat sich Salz in der Alpenregion abgelagert. Vermutet wird, dass die Menschen der Vorzeit auf salzhaltige Quellen stießen und dann begannen, nach den Lagerstätten zu graben. Das älteste Ausstellungsstück ist eine Hacke aus Hirschgeweih, die ca. 9.000 Jahre alt ist. Ob die Person, die sich im Hochtal über Hallstatt aufhielt bereits nach Salz forschte? Möglich ist es.

Vor 3.500 Jahren begann der Untertageabbau von Salz in Hallstatt. Begonnen wurde mit Abbau von sogenanntem Hauklein, später wurden ganze Salzbarren abgebaut. In der Bronzezeit gab es drei Schächte mit bis zu 100 Meter Tiefe. 1.245 v. Chr. kam es zu einem ersten Bergrutsch, der zur Zerstörung des Bergwerkes geführt hat. Erst ab 900 v. Chr. sind wieder Spuren des Bergbaus nachweisbar. In der Eisenzeit (Blütezeit im 9. Jh. v. Chr.) wurden die Stollen entlang der Salzadern bis

zu 200 Metern tief getrieben. Im 4. Jh. v. Chr. zerstörte wiederum eine Naturkatastrophe das Bergwerk der Eisenzeit. Im 2. Jh. v. Chr. beutete man abermals das Salzvorkommen aus, aber nun weiter oben in den Bergen.  Im 1. Jh. waren die Römer in Hallstatt. Leider fehlen Funde, die einen Salzabbau für diese Zeit direkt belegen.

Im Bergwerk haben sich durch das Salz organische Materialien wie Leder, Holz, Seile und Essensreste sehr gut erhalten,. Beispiel hierfür ist ein Tragesack aus mit nicht gegerbter Rinderhaut, der in der Ausstellung zu sehen ist.

Durch experimentelle Archäologie wurden Seile nach Vorbild der in Hallstatt gefundenen Stücke gefertigt; dies ist per Video zu sehen. Diese Seile wurden durch die TU Chemnitz auf ihre Reißfertigkeit getestet.
 

Die Forschungen in Hallstatt begannen mit Bergmeister Johann Georg Ramsauer. Er entdeckte 1845 das eisenzeitliche Gräberfeld und hat zwischen 1846 und 1863 in Hallstatt 863 Gräber freigelegt und fast 20.000 Objekte geborgen. Er bemühte sich zusammen mit dem Bergmann Isidor Engl um akribische Aufzeichnungen, die noch heute die Funde gut dokumentieren. Die volle Anerkennung seines Verdienstes blieb ihm aber verwehrt und mit den damals zur Verfügung stehenden Methoden sind sicher auch wichtige Details verloren gegangen. Man konzentrierte sich weitgehen auf die wertvollen Fundstücke. 1994 wurden die Grabungen vom Naturhistorischen Museum Wien unter Dr. Kern wieder aufgenommen.

Sehr gelungen sind die Vitrinen der Ausstellung, die nicht nur einfache Schaukästen, sondern in ihrer Form den Salzkristallen nachempfunden sind. Sie sind begehbar und im Inneren befindet man sich quasi im Berg selbst. Dort kann man die Geräusche und Gerüche des Salzbergwerkes wahrnehmen. Auf Videoinstallationen sind die Natur der Hallstätter Region, die Bergleute, die Kleidung der Menschen damals und vieles mehr erlebbar.

PreviewSALZ_6778_(c) smac_Foto Ralf HempelDie unscheinbaren Exponate aus organischen Material sind die Highlights der Ausstellung, da sich Holz nur unter besonderen Bedingen über Jahrtausende erhält. Die Kienspäne, die zur Beleuchtung des Bergwerks gedient haben, wurden in den bronzezeitlichen Stollen des Salzbergwerks in Hallstatt gefunden (© Freunde smac | Ralf Hempel)

Es gibt viele Informationen rund um das Salz, z.B. wie es in den Berg kam und in welchen Formen Salz in der Welt vorkommt. Der Bogen wird gespannt vom Aufbau des Bergwerks über Gegenstände des täglichen Lebens bis hin zu den Funden des berühmten Gräberfeldes von Hallstatt. Hallstatt ist das älteste Salzbergwerk der Welt und, da bis heute hier Salz abgebaut wird, auch die wohl älteste ununterbrochen in Betrieb gewesene Firma der Welt, so könnte man die Tradition überspitzt formulieren.

Die Führung mit Dr. Kern, der eigens für die Preview einen Tag vor der Eröffnung der Sonderausstellung nach Chemnitz gekommen war, war ein Erlebnis. Sie war spannend, interessant und unterhaltend. Ihm gilt unser herzlichster Dank.

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