Bericht über die Exkursion der Freunde des smac nach Halle/S. zur Sonderausstellung Krieg im Landesmuseum für Vorgeschichte sowie nach Großstolpen zur Besichtigung eines bandkeramischen Brunnens am 19. März 2016

von Sabine Lorenz

Die erste Exkursion 2016 führte uns nach Halle/S. ins Landesmuseum für Vorgeschichte. Unter fachkundiger Führung besuchten wir dort die Sonderausstellung Krieg – eine archäologische Spurensuche.

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Die Ausstellung „Krieg“ im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) vom 06.11.15-22.05.16 (Foto: Peter Bossert)

Von den Ursprüngen an wird in der Ausstellung die Entstehung von kriegerischen Auseinandersetzungen dargestellt. Waffen wie Lanzen, Messer, Pfeil und Bogen waren ursprünglich zum Zweck der Nahrungsbeschaffung, d.h. zur Jagd gefertigt worden. Keulen und Schwerter deuten aber bereits auf den Kampf Mann gegen Mann hin.

Eine Hauptthese der Ausstellung ist, dass es Kriege seit der Sesshaftwerdung gibt, d. h. seitdem die Menschen dichter zusammenlebten, materielle Güter und Boden besaßen, was Besitzgier weckte. Es ging um Ressourcen und Macht. Konflikte entstanden, die leider immer häufiger mit kriegerischen Mittel ausgefochten wurden. Im Laufe der Zeit wurden neue Kriegswaffen und -techniken entwickelt und Palisaden, Wälle und  Festungen zur Verteidigung gebaut.

Die Ausstellung ist reich an Fundstücken und Darstellungen aus Deutschland und Europa und es gibt Einblicke in die frühen Hochkulturen. Erwähnt ist z.B. der Kampf der Ägypter unter Ramses II. gegen die Hethiter bei Kadesch, beendet mit dem ältesten Friedensvertrag der Welt von 1259 v. Chr.

Das im Jahr 1996 entdeckte Schlachtfeld im Tollensetal in Mecklenburg-Vorpommern gilt als ältester Beweis eines Krieges auf heutigem deutschem Boden. Datiert wird der Kampf in die Bronzezeit ca. 1.300 v. Chr. Man geht von tausenden Kriegern und hunderten Toten aus. Eine Gruppe der Krieger waren Invasoren aus dem Süden und zum Teil wurde bereits zu Pferde gekämpft. Gefunden wurden Pfeile, Stichwaffen, Klingen … Viele Funde, unter ihnen auch Gebeine mit eindeutigen Kriegswunden, werden in Halle/S. gezeigt.

 

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Das Massengrab aus der Schlacht von Lützen als zentrales Exponat der Ausstellung Krieg in Halle (Foto: Peter Bossert)

Im Zentrum der Ausstellung steht – im wahrsten Sinn des Wortes – das beeindruckend inszenierte Massengrab mit 47 Skeletten aus der Schlacht bei Lützen anno 1632, der verlustreichsten Schlacht des 30-jährigen Krieges (1618-1648). Von den 6.500 Opfern dieser Schlacht, unter ihnen war auch der schwedische König Gustav Adolf II., wurden nur diese 47 gefunden, von der notleidenden Bevölkerung völlig ausgeplündert  und anschließend „bestattet“. Schießpulver gab es bereits und so wurden Bleikugeln von den gegnerischen Heeren aufeinander abgefeuert und mit Kanonen geschossen. Dementsprechend waren auch die tödlichen Verletzungen. Exponate zur Schlacht bei Lützen sind Schlachtpläne, Musketen, lange Lanzen, Rüstungen, persönliche Gegenstände von Wallenstein und König Gustav Adolf.

Durch die Sonderausstellung erfuhren wir, wie Kriege entstehen, seit wann und warum es sie gibt. Die Aussstellung abrunden könnte ein Ausblick, wie man Krieg in Zukunft verhindert. Aber das geht über den Rahmen der Archäologie hinaus, da sind Politik und Diplomatie gefragt.

Im Namen der Freunde des smac möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich für die kompetente und kurzweilige Führung durch die Ausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt bedanken.

 

Nach dem gemeinsamen Mittagessen hatten wir die Möglichkeit, einen der im Tagebau Peres südlich von Leipzig gefundenen bandkeramischen Holzbrunnen zu sehen. Der
Brunnen wurde im Block geborgen, da vor Ort eine zeitaufwändige Grabung nicht möglich war. In den nächsten 2 Jahren wird der Grund des Brunnens erreicht sein und es ist mit aufschlussreichen Funden und Erkenntnissen über die Zeit vor über 7.000 Jahren zu rechnen – datiert wurde der Holzbrunnen auf ca. 5.130 v. Chr.!

 

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Die Blockbergung des bandkeramischen Brunnen aus dem Tagebau Peres (Foto: Peter Bossert)

In der Halle in Großstolpen sind bandkeramische Gefäße und Pläne des Tagebaugeländes zu sehen. Hier wurden auch Siedlungsreste von jungsteinzeitlichen Langhäusern und eine mittelalterliche Wüstung gefunden. Die Ausgrabungen sind noch nicht abgeschlossen.

 

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Bandkeramische Funde aus dem Tagebaugelände (Foto: Peter Bossert)

Vielen Dank an Herrn Stäuble und Frau Kretschmer, die uns diesen interessanten Einblick in ihre Arbeit gestatteten.

 

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