Rückblick auf die Pfahlbauexkursion Oberschwaben 30.09.2016 – 03.10.2016

von Sabine Lorenz

Am Freitag, den 30.09.2016 starteten wir zur von der AGiS (Archäologische Gesellschaft in Sachsen) organisierten Exkursion „Pfahlbauten“ nach Oberschwaben, einer archäologisch sehr interessanten Region.

Erste Station war die Alteburg bei Langenenslingen, welche wir zusammen mit dem Leiter der Ausgrabungen Herrn Dr. Hansen erkunden durften. Durch die laufenden Grabungen wurden 5 bis 13m breite Mauern nachgewiesen und der Fundort ist zeitlich der frühkeltischen – Hallstattzeit zuzuordnen. Dennoch bleiben Rätsel, da es keine typischen Siedlungsspuren einer Burg gibt. Nicht klar ist, wozu dieses große Plateau mit 360 m Länge, den enormen Mauern – sogar die Seiten wurden begradigt – künstlich angelegt worden ist. Gedeutet wird es als Kult- oder Versammlungsplatz. Wir sind gespannt auf neue Erkenntnisse.

16-10-03_smac-unterwegs_018Auf der Alteburg bei Langenenslingen mit Führung durch Herrn Dr. Leif Hansen, Stuttgart.

Übernachtet wurde im Hotel Kapuzinerhof in Biberach. Pünktlich 9:00 Uhr am Samstag fuhren wir nach Bad Schussenried und unterwegs gab es noch die Möglichkeit, die barocke Wallfahrtskirche in Steinhausen, die schönste Dorfkirche Oberschwabens, zu besichtigen.

16-10-03_smac-unterwegs_056Wallfahrtskirche in Steinhausen aus dem Barock.

Im Kloster Schussenried sahen wir den wunderschönen Bibliothekssaal mit Wandmalereien zu weltlichen und kirchlichen Themen, super von Herrn Dr. Strobel vorgestellt und dann führte uns Herr Dr. Strobel durch die Ausstellung „4000 Jahre Pfahlbauten“ – den ersten Teil der Ausstellung zur Steinzeit. Organische Materialien blieben perfekt konserviert, um nur ein paar zu nennen: ca. 5000 Jahre alte Holzräder, Werkzeuge, Netze, Kleidung und natürlich Überreste der Häuser der Moor- und Seeufersiedlungen.

Nach dem Mittag besuchten wir die laufenden Ausgrabungen im Olzreuter Ried. Im Torfmoor hat sich das Holz der Pfahlbausiedlung erstaunlich gut erhalten, ganze Strukturen von Stegen und Wänden sind noch zu sehen, Räder aus der Zeit von 2900 v. Chr. wurden hier gefunden. Frau Probst gab uns interessante Einblicke in die Ausgrabungen. Olzreute-Enzisholz ist aufgrund der sehr guten Erhaltungsbedingungen für die UNESCO-Welterbekandidatur „Pfahlbauten rund um die Alpen“ nominiert.

16-10-03_smac-unterwegs_105Ausgrabungen im Olzenreuter Ried.

In Bad Buchau war unsere nächste Station an diesem Tag das Federseemuseum mit Teil 2 der Ausstellung „4000 Jahre Pfahlbauten“ – zur Bronze- und Eisenzeit, geführt wiederum von Herrn Dr. Strobel, der eine ganz persönliche Beziehung zu einigen Objekten hat – hat er doch selbst hier gegraben  – und viel von seinem enormen Fachwissen vermittelte. Im Außengelände des Museums sind verschiedene Typen von Pfahlbauhäusern nachgebaut worden, die begehbar und mit Dingen des täglichen Lebens dieser Zeit ausgestattet sind. Das rundet die Ausstellung ab und ist sehr anschaulich. Fakultativ war noch ein Spaziergang auf dem Federseesteg oder im Wackelwald möglich.

 

16-10-03_smac-unterwegs_127Federseemuseum in Bad Buchau.

Am Sonntag stand die Heuneburg, eine keltische Befestigung, damals vor 2.500 Jahren größte Stadt nördlich der Alpen und vielleicht Herodots Pyrene (?) an den Quellen des Istros (Donau), auf unserem Programm. Ein Teil der hier nachgewiesenen und für diese Region untypischen Lehmziegelmauer und einige Häuser wurden rekonstruiert. Es gibt ein kleines Museum, dessen Objekte einen weitreichenden Handel  belegen (z.B. mit Griechenland –> Rot-Schwarz-Malerei auf Keramik und mit Nordländern -> Bernstein) und hier wird experimentelle Archäologie praktiziert – Wolle gesponnen mit einfachen Spinnwirteln, Stoffe gewebt und gefärbt nach original erhaltenen Fragmenten von Tüchern aus Fürstengräbern, geschmiedet usw.. Frau Hagmann und Frau Stadler sind mit der Heuneburg vertraut, als wären sie hier zu Hause, so blieb kaum eine Frage offen.

16-10-03_smac-unterwegs_186Rekonstruierte Lehmziegelmauer auf der Heuneburg bei Hundersingen

Im Umkreis der Heuneburg gibt es etwa 50 Hügelgräber. Frau Mölders führte uns hier mit Ihrer Sachkenntnis zur Hallstatt-  und La Tene-Kultur. Der Hohmichele ist mit 85 Metern Durchmesser und 13,5 Metern Höhe das größte. Ausgrabungen fanden in den Jahren 1936/37 statt und in den 50-er Jahren. Nachweisbar waren hier 13 Bestattungen, doch die Hauptkammer war bereits in antiker Zeit geplündert worden. Nach dem Besuch des Heuneburgmuseums in Hundersingen, mit Funden aus den Gräbern, entstand unser schönes Gruppenbild am Hohmichele.

16-10-03_smac-unterwegs_331Teilnehmerinnen und Teilnehmner der Exkursion am Hohenmichele

Als nächstes besichtigten wir mit einer pastoralen Führung das Kloster Heiligkreuztal.

Zugabe war eine Fahrt auf den allgegenwärtigen, d.h. von überall sichtbaren Bussen, den heiligen Berg Oberschwabens (767 m). Schon sehr früh besiedelt, steht jetzt hier oben die Wallfahrtskirche St. Johann Baptist. Die Alpen konnten wir an diesem sonnigen Abend nicht sehen, doch der steile Aufstieg vom Parkplatz hat sich aufgrund der wunderschönen Aussicht (u.a. auf den Federsee) gelohnt.

 

Unser letzter Tag, Montag und Feiertag, der 3. Oktober führte uns nach Ulm. Herr Dr. Westphalen führte uns durch ein Stück der Altstadt und es blieb auch noch Zeit für einen sportlichen Aufstieg auf den höchsten Kirchturm der Welt am Ulmer Münster.

Im Museum in Ulm erwartete uns noch ein besonderes Highlight, der Löwenmensch, eine der ältesten Plastiken aus Mammut-Elfenbein, die je gefunden wurden und mit 31 cm Höhe die größte. Die betreffenden Fundschichten der Höhlen in Lonetal werden auf ein Alter von 35.000 bis 43.000 Jahren datiert und die  Artefakte daraus gehören zu den weltweit ältesten. Die meisten hier gefundenen Figuren sind Darstellungen von Tieren wie Mammut und Pferd (zu sehen im smac). Doch beim Löwenmensch handelt es sich um ein Mischwesen oder einen mit Kopf und Fell eines Löwen bekleideten Schamanen? Die Geschichten um die Ausgrabungen der vielen Elfenbein-Bruchstücke und die Restaurierung, ein wahres Puzzlespiel, wurden uns von dem Mann erzählt, der mit dem altsteinzeitlichen, 40.000 Jahre alten Löwenmenschen wie kein anderer vertraut ist, dem Leiter des Museums Kurt Wehrberger. Erste Teile wurden bereits 1939 gefunden, dann im Archiv wiederentdeckt und erstmals 1988 und nach neuen Funden im Jahr 2012 erneut zusammengefügt . Leider reichte die Zeit nicht, um noch das gesamte Museum zu besichtigen, wir hatten noch eine weite Fahrt vor uns.

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Der sogenannte Löwenmensch aus der Höhle im Lonetal

Auf der Heimfahrt wurde das Lied von der Schwäbschen Eisenbahne angestimmt – wenn man schon mal aus Oberschwaben, Biberach kommt …

Herr Dr. Strobel hat mit seinem enormen Fachwissen und seinem Witz für eine rundum gelungene Exkursion gesorgt. Herzlichen Dank ganz besonders an ihn – an Herrn Hansen, Frau Probst, Frau Hagmann, Frau Stadler, Frau Mölders und Herrn Wehrberger für die fachkundigen, äußerst interessanten Führungen, an unseren Busfahrer für seinen Einsatz und an Herrn Dr. Westphalen für die Informationen über die Stadt Ulm und für die Berner Rosenäpfel.

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