Mit den Freunden unterwegs in Vietnam und Kambodscha, vom 8. bis 21. April 2017

 

von Sabine Wolfram – mit Ergänzungen von Sabine Lienen-Kraft und Karl-Heinz Röhrig

Was soll man am Ende einer wunderbaren Reise sagen? Wir haben geschwitzt, bei über 30 Grad und über 90 % Luftfeuchtigkeit in Vietnam und bei mehr als 38 Grad, aber geringerer Luftfeuchtigkeit in Kambodscha. Wir haben sehr gut und sehr günstig gegessen! Wir haben unseren Durst mit viel Wasser, das in den Reisebussen immer gekühlt zur Verfügung stand,und mit Hanoi-, 333-, Saigon- und Angkor-Bier gelöscht. Das Wort Freizeit – maximal 10 Minuten zum Fotografieren der Sehenswürdigkeiten in Mittelvietnam – hat für alle Mitreisenden aus Sachsen und NRW (Förderverein LWL Museum für Archäologie Herne) eine völlig neue Bedeutung bekommen. Hinreißend waren die Geschichten über das Heiraten und Sterben in Vietnam. Manchmal fühlten wir uns wie auf einer Butterfahrt und haben die örtlichen Ökonomien ordentlich unterstützt. Und generell waren wir in Vietnam überrascht von der rasanten Entwicklung des Landes, ablesbar am Bauboom – sei es in Hanoi, Da Nangoder Saigon. Dort wird der Bauer mit Wasserbüffel wohl leider bald Geschichte sein. Anders in Kambodscha, wo sich das Rad der Entwicklung wesentlich langsamer dreht. Überhaupt sind wir alle zu einer Reise nach Vietnam aufgebrochen … dass wir vier Tage auch in Kambodscha verbringen werden, hatten wir zwar alle im Programm gelesen, aber nicht realisiert. Und so waren wir auf die Eigenheiten in Mentalität (sehr angenehm), Politik, Gesellschaft und wirtschaftlicher Entwicklung nicht vorbereitet. Bedrückend die größere Armut und die mangelnden Infrastrukturen. Aber, am Ende stand bei den meisten Reiseteilnehmern das Gefühl, mehr über Kambodscha wissen zu wollen. Also, auf zu einer weiteren Reise mit den Freunden, wer weiß? Nun erst mal zu den Stationen der zurückliegenden Reise.
Los ging es am Samstag, dem 8. April, per Flieger von Frankfurt nach Hanoi, wo wir 11 Stunden später am frühen Morgen landeten. Obwohl auch in Vietnam der Verkehr sonntags etwas ruhiger fließt, stellte sich rasch bei allen Mitreisenden die Faszination und die erste bleibende Erinnerung darüber ein, wie sich so viele Mopeds scheinbar ohne Probleme durch die engen Straßen Hanois (oder später Saigons) schlängeln können.
Aber nun zum Programm. Nach einem ersten Frühstück mit dem vietnamesischen Nationalgericht „Pho“, einer Hühnerbrühe mit Reisnudeln und diversen Beilagen, waren der Gruppe ein paar Stunden der Ruhe gegönnt, bevor es mittags in das Ethnologische Museum von Hanoi ging. Dort bekamen wir eine Einführung in die 54 Ethnien Vietnams. Spektakulär waren die „Pfahlbauten“ im Freigelände des Museums. Nicht nur Nässe, sondern auch Hitze und wilde Tiere können ein Grund sein, nicht ebenerdig wohnen zu wollen. Vom Museum ging es dann in die Altstadt, um einen ersten Eindruck von deren quirligen Atmosphäre zu bekommen. Das Abendessen in gekühlten Räumen hatten wir uns damit wirklich verdient.

Gut ausgeruht ging es dann am 2. Tag mit dem Reisebus, der der Gruppe rund um die Uhr zur Verfügung stand, zur Ha Long Bucht. Die Fahrt dorthin führte uns durch das von Reisfeldern, Dörfern und neuen Fabriken geprägte Delta des Roten Flusses. Station machten wir u.a. bei einer Perlenzucht, wo wir diese anschaulich erläutert bekamen. Dann endlich die Ha Long Bucht. Grandios die Bootsfahrt zwischen den Felsen hindurch, das Mittagessen mit Meeresfrüchten eine kleine Offenbarung! Und eindrucksvoll durchaus auch der Besuch einer Tropfsteinhöhle inmitten der Karstfelsen. In Erinnerung bleibt aber auch, dass man dringend etwas für den Umweltschutz tun muss, um dieses „Wunder Ha Long Bucht“ zu erhalten.

Am dritten Tag hielten wir uns dann wieder in Hanoi auf. Auf dem Programm standen vormittags das Ho Chi Minh Mausoleum und die Besichtigung der Zitadelle Thang Long, von der ja in der Ausstellung „Schätze der Archäologie Vietnams“ ausführlich berichtet wird. Einen wirklichen Eindruck von der Größe der Anlage erhielten wir, als wir auch noch die offen gelassenen Ausgrabungsstellen in Augenschein nahmen. Mittags ging es dann zum Literaturtempel, der im 11. Jh. nach der Lehre Konfuzius´ erbauten Universität und Ausbildungsstätte der kaiserlichen Beamten. Von dort ging es weiter zum Hoan Kiem See und erneut – diesmal mit E-Fahrzeugen- in die Altstadt. Besonders beeindruckend war dort die Besichtigung der Straße der Blechschmiede. Sehr deutlich wurde dabei, vor welcher großen Herausforderung  Hanoi in der Bewahrung und gleichzeitigen Erneuerung der Altstadt steht. Den Abschluss unseres Hanoi-Aufenthalts bildete der Besuch des Wasserpuppentheaters, dessen Vorstellung von einem kleinen Orchester untermalt wurde und in vielen kleinen Szenen den ländlichen Alltag des Landes darstellt.

Ja, und dann ging es nach einer kurzen Nacht am 4. Tag schon weiter nach Mittelvietnam. Hue, der Parfümfluss und die Thien Mu-Pagode, die kaiserlichen Gräber und die Zitadelle der Herrscher des 19 Jh., errichtet nach dem Vorbild der verbotenen Stadt in Beijing, standen auf dem Programm.

Am 5. Tag folgte das Natur-Highlight, auf das wir uns alle gefreut hatten: Die Fahrt über den Wolkenpass. Und tatsächlich tat der Pass seinem Namen alle Ehre. Mit jeder Serpentine wurde die Sicht geringer, umso spektakulärer die Abfahrt hinunter in die Bucht von Da Nang, der aufstrebenden Metropole Mittelvietnams. Dort besuchten wir das stark renovierungsbedürftige Cham Museum mit seiner reichen, einzigartigen Sammlung zur Kunst der Cham. Diese beherrschten Mittelvietnam vom 4. – 15. Jh. Woher sie kamen ist ungewiss, Einflüsse aus Indien, aber auch aus Malaysia und Polynesien sind erkennbar und am Ende wurden sie dem vietnamesischen Reich einverleibt. Das bekannteste religiöse Zentrum der Cham, My Son, besuchten wir am folgenden Tag von Hoi An aus. Dorthin hatte uns eine kurze Fahrt von Da Nang geführt. Hoi An, die alte chinesische Handelsniederlassung, bezauberte uns nach der Hektik Hanois rasch durch ihre Beschaulichkeit. Daran konnten auch die vielen, vielen Touristen nichts ändern. Die Fahrt in das Tempeltal My Son am 7. Reisetag beeindruckte, weil wir wieder einen Eindruck vom traditionellen bäuerlichen Leben, einschließlich Erläuterungen zum Reis- und Erdnussanbau erhielten und die Ruinenlandschaft von My Son ein wirklich magischer Ort ist. Umgeben von Hügel liegen hier noch 20 von einst 70 meist Shiva geweihten Tempelgebäuden vornehmlich aus der Zeit vom 9 – 14. Jh. Neben Einblicken in die Tempelarchitektur und den Hinduismus erhielten wir beim Rundgang auch Informationen über die schwierige konservatorische Aufgabe, die Tempel im tropischen Klima für kommende Generationen zu erhalten.

Von Da Nang ging es am nächsten Tag – wieder mit einem frühen Flug – weiter nach Saigon, jetzt H.C.M.C. Und ja, die Kolonialzeit ist im Stadtzentrum noch präsent, aber es tut sich so viel in Ho Chi Minh City, dass dem bald nicht mehr so sein wird. Die Wirtschaftsmetropole Vietnams scheint sich noch rascher zu entwickeln als der Rest des Landes, wobei die Schere zwischen arm und reich bereits jetzt groß ist und ganz offensichtlich weiter auseinanderdriftet. Dennoch, das koloniale Postamt, Rathaus und die Oper sind faszinierend, ebenso das alte chinesische Viertel Cholon, wo wir die Thien Hau Pagode mit ihrem reichen Kachelschmuck besichtigten. Eindrückliche Ausblicke gestatteten das Verandalokal des Hotel Continental, wo Graham Green seine Romanfiguren vorbeiziehen ließ und die Dachterrassen des Hotel Rex, vormals die amerikanische Kommandantur, von der Peter Scholl Latour jahrelang über den 2. Indochina Krieg berichtete.

Dazu bildete die Fahrt ins Mekong Delta am 9. Tag der Reise einen völligen Kontrast: Dort war vom wirtschaftlichen Aufschwung kaum etwas zu spüren. Dagegen häusliches Gewerbe, wobei die lokalen Spezialitäten ausgesprochen schmackhaft waren und wir eifrig Mitbringsel einkauften. Nur den Schlangenschnaps, den kaufte niemand. Die Fahrt auf dem Mekong führte uns ganz deutlich vor Augen, dass die Dimensionen in Asien in allem andere sind. Unsere Ströme sind Rinnsale im Vergleich zum 5 km breiten nördlichen Mekong!  Unglaublich.

Wie gesagt, Freizeit wurde auf der Reise bis dahin klein geschrieben und so ging es auch schon weiter von Saigon nach Siem Reap in Kambodscha und zu den Ruinen von Angkor.Vietnam und Kambodscha sind sehr unterschiedlich: Vietnam eher chinesisch geprägt, Kambodscha hingegen steht Thailand und dem indischen Raum näher. Das nur am Rande, denn wir waren gekommen, um Tempel anzuschauen. Gleich nach der Ankunft ging es nach Angkor Wat, der sicher größten Tempelanlage, die alle Mitreisenden je gesehen hatten. Nicht minder faszinierend aber die Städte und Tempel der Khmer ( 9.- 15. Jh.) die wir an den folgenden zwei Tagen besuchten: Ta Phrom, Angkor Thom mit dem Tempel Bayon, Phnom Bakheng sowie die weiter entfernt liegenden Tempel der Roluos Gruppe und Beng Mealea. Letzterer sowie Ta Phrom drohen von der Natur vereinnahmt zu werden und besitzen so neben der Aura tiefer Religiosität noch eine weitere aufgrund ihres Ruinencharakters. Mit dem Besuch der Rolous Gruppe schloss sich dann der Kreis zu My Son, denn hier wie dort wurde dieselbe Ziegelbauweise mit Sandsteinelementen verwendet. Zufall? Wohl kaum.

Ohne Zweifel ist es immer ein besonderes Erlebnis historische Stätten zu besuchen, aber in Siem Reap trifft dies auch auf das relativ neue Angkor Nationalmuseum zu. Die Gestaltung braucht den internationalen Vergleich nicht zu scheuen und der 1000 Buddha Raum lädt zum Verweilen und Sinnieren ein. Unbedingt anschauen!!!

Den Abschluss der Reiste bildete am 13. Reisetag eine Fahrt über den Tonle Sap, den größten Süßwassersee Südostasiens und die Besichtigung eines schwimmenden Dorfes von staatenlosen Vietnamesen! Damit waren wir wieder da angekommen, wo wir begonnen hatten, wenn auch in einem anderen Land. Nach letzten Einkäufen auf lokalen Märkten ging es nachmittags von Siem Reap über Hanoi zurück nach Frankfurt.

Abschließend noch ein Tipp für Kambodscha: Da man durch die Flüge schon an frühes Aufstehen im Urlaub gewöhnt ist … unbedingt beibehalten, die Besichtigungen in Angkor früh beginnen und sich dann am Nachmittag einen Platz am Pool des Hotels sichern. Auch das lohnt sich!


Mein persönlicher Dank geht an den Reiseveranstalter, der die Reise perfekt organisiert hatte und vor allem an alle 22 Mitreisenden, die die Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.

Allen, die nun Lust bekommen haben auch nach Vietnam und Kambodscha zu reisen, kann ich nur die zweite Reise im Oktober empfehlen. Die Anmeldung läuft.

 

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