[von Jens Beutmann / Fotos: Gudrun Irmscher]

Kurz vor den Sommerferien hatten sich die Freunde zum „Mittelalterlichen Kochen“ (und vor allem Essen) verabredet.

Los ging’s frugal: Ein einfacher Hirsebrei diente als Appetizer und Hinweis darauf, wovon sich die einfachen Leute meist ernährten. Dass dieser Hirsebrei in der Nachbildung eines in Chemnitz gefundenen spätmittelalterlichen Keramiktopfes (für die Spezialisten: gemagertes Waldenburger Steinzeug) im offenen Feuer gekocht wurde, trug zwar zum Erlebnis bei, änderte aber nichts an seinem eintönigen Geschmack. Die unvermeidliche Flugasche konnte da schon als Würze wahrgenommen werden.

Allseits freudige Gesichter, als dann der zweite Gang serviert wurde: „Krapfen für die Herren“ heißen in einem unter anderen auch in Zwickau gedruckten Kochbuch des 15./16. Jahrhunderts („Kuchenmeisterey“) mit feingehackter Hühnerleber und Lebkuchenbröseln gefüllte Teigtaschen. Hier zeigte sich schon ein typisches Merkmal der gehobenen mittelalterlichen Küche: sehr unterschiedliche Geschmacksrichtungen werden bunt gemischt, die uns so selbstverständliche Trennung zwischen süßen und herzhaften Speisen gab es nicht – wobei die Sachsen sich mit Ihrem Sauerbraten bis heute einen Anklang an diese Praxis bewahrt haben.

Ein echter Höhepunkt dann der Hauptgang: Inspiriert von der Kreuzfahrerküche gab es Huhn mit orientalischen Gewürzen, Feigen, Oliven …, dazu Mandelreis. Der kulturelle Einfluss des Orients ist seit den Kreuzzügen auch in Mitteleuropa spürbar, vor allem natürlich an den Höfen und in der Oberschicht. Feigen hatten eine bemerkenswert weite Verbreitung, wie nicht zuletzt archäologische Funde immer wieder zeigen. Wie reichhaltig und bunt die orientalische Küche selbst war, zeigte Gerhard Dohrn-van Rossum anhand von Bildern aus Handschriften.

Zum Nachtisch nochmal eine mediterran-nordalpine Konkurrenz: Der als „Konkavelite“ bezeichnete Mandel-Kirsch-Pudding wurde vor den Augen der Gäste (fast) unfallfrei gestürzt. Er entstammt einem Würzburger Kochbuch des 14. Jahrhunderts, als Bindemittel dient Reismehl. Außerdem gab es Pistazieneis mit Halva (auch als Helwa oder Halvas bekannt) – auch Eis war im Spätmittelalter zumindest im Mittelmeerraum verfügbar, als Kühlung dienten Schnee und Eis aus den Bergen.

Eine Bemerkung zum Schluss: Bei mittelalterlichen Festbanketten wurden die Speisen nicht nacheinander, sondern alle gemeinsam aufgetragen. Das ist für ungeschulte Hobbyküche heute kaum realisierbar. Auch sonst muss die höfische Küche des Mittelalters enorm personalintensiv gewesen sein, Pürierstab und industriell vorbereitete Zutaten machen es uns heute einfacher, die Gerichte nachzukochen. So wurde noch einmal deutlich, dass nur ganz wenige Haushalte im Mittelalter in der Lage waren, die in Kochbüchern überlieferten Rezepte umzusetzen. Für das nächste „Mittelalterliche Kochen“ werden noch Personaldarsteller gesucht …

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